Günther Schwarberg - Gedenken zum 100. Geburtstag
Günther Schwarberg wurde am 14.10.1926 in Vegesack bei Bremen geboren.
Er kam in die Schule, als Hitler an die Macht kam und musste noch als Soldat in den 2. Weltkrieg.
Seine Kindheit und Jugend waren geprägt vom Abscheu gegen die Nazis und gegen den Krieg. Diese Erfahrungen begleiteten ihn sein ganzes Leben.
Er wurde Journalist. Die Opfer des Nationalsozialismus wurden zu seinem Lebensthema. Er arbeitete u.a. 25 Jahre für das Magazin Stern. Dort schrieb er z.B. über den Majdanek-Prozess, den Untergang der KZ Schiffe Cap Arcona und Thielbek am 3. Mai 1945, ca. 7000 KZ Gefangene fanden dabei den Tod.
Als seine wichtigste Aufgabe seines Lebens sieht Günther Schwarberg die Erforschung der Geschichte von zwanzig jüdischen Kindern an, die am 20. April 1945 im Keller der Schule am Bullenhuser Damm erhängt wurden. Und es fing mit einem Zufall an. 1977 bekam Günther Schwarberg zwei Bücher in die Hand, die vom Kindermord am Bullenhuser Damm berichten: Lord Russell of Liverpool „Geißel der Menschheit“. Er war nach 1945 als Brigadier verantwortlich für die Militärgeschichte der britischen Armee. Der Schriftsteller Willi Bredel berichtet in seinem Buch „Unter Türmen und Masten“ von einem erfundenen Lehrer Kurt Mertens. Er wird von den Schülern gefragt, ob in ihrer Schule einmal ein Kinder-KZ gewesen sei, und da berichtete er ihnen von dem Mord.
Am 20. April 1977 geht Günther Schwarberg das erste Mal in den Keller am Bullenhuser Damm. Dort treffen sich ehemalige KZ-Gefangene und Mitglieder der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes jedes Jahr zum Gedenken.
Ein Kranz lehnt an der Wand. Auf der Schleife steht: Ihr lieben Kinder bleibt unvergessen. Diesen Faden nimmt Günther Schwarberg auf und beginnt nach den Kindern zu suchen. Im Archiv der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“ in Frankfurt findet er Fotos der zwanzig Kinder.
Im Januar 1978 erhält Günter Schwarberg weitere Fotos der Kinder, gemacht von einem SS-Fotografen und den Bericht eines gefangenen dänischen Arztes und Widerstandskämpfers, Henry Meyer, der heimlich die Namen der Kinder aufgeschrieben hatte. Mit diesen Fotos lässt er Suchplakate in den Sprachen polnisch, französisch, holländisch, italienisch, serbokroatisch und englisch drucken. Diese schickt er in viele Länder sowie an die Staatsanwaltschaft in Tel Aviv. Dort wird es von Ella Kozlowski ausgepackt und sie erkennt ihre Cousine: Riwka Herszberg.
Ein Rechercheur hilft Günther Schwarberg bei der weiteren Arbeit, der in Pariser Telefonbüchern die Namen der Familien Kohn und Morgenstern findet. Aus vielen kleinen Spuren verdichtet sich die Geschichte der Kinder vom Bullenhuser Damm.
1979 kamen erstmals überlebende Angehörige am 20. April zur Gedenkfeier nach Hamburg. Sie gründeten gemeinsam mit Günther Schwarberg und seiner Ehefrau Barbara Hüsing die Vereinigung „Kinder vom Bullenhuser Damm e.V.“. Sie beauftragten Barbara Hüsing als Rechtsanwältin, eine Strafanzeige gegen Arnold Strippel, einem noch lebenden Täter vom 20. April 1945 zu erstatten. Das Verfahren zog sich bis 1987 hin und wurde wegen dauerhafter Verhandlungsunfähigkeit des Täters eingestellt.
Ein Jahr zuvor hatten Günther Schwarberg und Barbara Hüsing zu einem internationalen Tribunal mit namhaften Juristen unter dem Vorsitz des ehemaligen Richters am Bundesverfassungsgericht Martin Hirsch eingeladen. Das Tribunal befasste sich mit der Nichtaufarbeitung von Naziverbrechen durch die bundesdeutsche Justiz und kam zu dem Schluss, dass ein Staat, der die Verbrechen des Naziregimes unbestraft lässt, anfällig ist für einen neuen Faschismus.
1988 erhielten Günther Schwarberg und Barbara Hüsing als erste Deutsche die Anne-Frank-Medaille in den Niederlanden verliehen.
Die Arbeit für die Kinder vom Bullenhuser Damm füllte Günther Schwarbergs Leben ebenso aus wie auch für seine Frau Barbara Hüsing. Sie hielten viele Vorträge über das Leben der Kinder und den Mord an ihnen, vor Schulklassen und in Universitäten. Günther Schwarberg wurde zu vielen Lesungen aus seinen Büchern eingeladen und immer wieder führten beide zahlreiche Gruppen durch die Ausstellung im Keller der Gedenkstätte.
Aus dem Kontakt zu den Angehörigen wurden Freundschaften und die Vereinigung immer mehr zu einer Familie.
Günther Schwarberg starb am 3.Dezember 2008. Er bleibt unvergessen.
An ihn erinnert auch der Günther-Schwarberg-Weg in Hamburg-Schnelsen.
Diese Geschichte geht aber bis heute weiter….











